Foto  des Baddesigners Teherani

Stararchitekt Hadi Teherani

Was steckt hinter seinen Ideen? Was liebt er persönlich in seinem Bad? Der Hamburger Stararchitekten im Gespräch…

Vita Teherani
Geboren wurde Hadi Teherani 1954 in Teheran/Iran, lebt aber seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Von 1977 bis 1984 studierte er an der Technischen Universität Braunschweig.
1991 gründete er mit seinen Partnern Jens Bothe und Kai Richter das Architekturbüro BRT in Hamburg. Um auch für Design und Objektentwicklung verantwortlich zu sein, folgte 2003 die Gründung der Hadi Teherani AG.
Für seine innovativen Konzepte in Architektur und Design wurde Hadi Teherani immer wieder international ausgezeichnet. Mit zahlreichen Gebäuden wie dem Bürohaus Berliner Bogen, der Europa-Passage oder dem Deichtor-Center prägte er nicht zuletzt das architektonische Profil der Hansestadt.

Bild unten: Der Entwurf für eine bewohnte Brücke in der Hamburger Hafencity sorgte für Aufsehen.

 
Entwurf für bewohnte Brücke in der Hamburger Hafencity von Hadi Teherani
Griffe, die sich fließend aus der Front heraus formen.

Architektur die lebt, Design voller Emotionen, das ist die Philosophie Hadi Teheranis.

Herr Teherani, Sie gelten als Popstar unter den Architekten. Für einen Leuchten-Designer bauten Sie ein Fabrikgebäude in Form eines Raumschiffs. Ihr neuester Coup soll eine Living Bridge in der Hamburger Hafencity werden, die an den Ponte Vecchio erinnert und ebenso wie dieser belebt sein soll – allerdings in der Dimension eines ganzen Stadtviertels. Inwiefern ist es für Sie wichtig, mit der Architektur auch „Geschichten“ zu erzählen?
Hadi Teherani: Architektur und Design müssen mehr sein als Zweck, Funktion, Effizienz und Ökonomie. Diese Punkte sind zwar alle sehr wichtig – unter dem Druck der heutigen Verhältnisse sogar unabdingbar. Aber eine Gestaltung, die keine Emotionen weckt, kann langfristig auch nicht ökonomisch sein. Ohne emotionale Begeisterung werden auch die besten Funktionsdaten nicht zu einem nachhaltigen ökonomischen Erfolg.

Bild links: Futuristisch anmutend – die Firmengebäude des
Designleuchtenherstellers Tobias Grau am Stadtrand von Hamburg.

Griffe, die sich fließend aus der Front heraus formen.

Sie entwerfen eigentlich große Gebäude. Was reizt einen Architekten daran, ein kleines Produkt, wie in Ihrem Fall eine Badserie, zu entwerfen?
Hadi Teherani: Die Größe eines Projekts ist nicht der entscheidende Auslöser. Ich habe auch schon ein Vogelhaus entworfen, eine Türklinke, Bodenbeläge, Bushaltestellen, Möbel ... Mein großes Ziel ist die schlüssige Gesamterscheinung. Wenn ich also für meinen Wohnungsbau oder für meine Bürobauten keine geeigneten Sanitärobjekte finde, muss ich sie eben selbst entwerfen. Nur so bleibt die Melodie des Raumes stimmig.

Bild links: Hervorstechendes Designmerkmal von Flow sind die Griffe, die sich fließend aus der Front heraus formen.

Die von Ihnen entworfene Badserie „Flow“ für Keramag wirkt eher klassisch – wenn auch mit raffinierten und überraschenden Details. Was hat Sie dabei inspiriert?
Hadi Teherani: Es gibt für mich kaum etwas Faszinierenderes als das Naturelement Wasser. Darum habe ich beim Design der Objekte das Wasser selbst zum Formgeber werden lassen. Die Sanitärobjekte tropfen quasi unmittelbar aus der Wand und finden dabei eine Form, die auch das ungebändigte Wasser annehmen könnte.

betont organische Formensprache und die harmonischweiche Linienführung zeichnet die Waschbecken aus.

Haben Sie als Architekt einen anderen Blick auf die Gegenstände, als ein klassischer Produktdesigner?
Hadi Teherani: Zwangsläufig reicht der Blick eines Architekten weiter. Mir geht es als Designer immer um den Gesamteindruck des Raumes, des Hauses, nicht nur um einzelne Design-Objekte. Mit anderen Worten: Der Arbeitsbereich des Architekten reicht vom Teegeschirr bis zum Städtebau. Dieser gestalterische Anspruch des Bauhauses war in den 20er Jahren so angemessen wie heute. Nur ist er damals nicht immer angemessen umgesetzt worden.

Bild links: Eine betont organische Formensprache und die harmonischweiche Linienführung zeichnet die Waschbecken aus.

Wir verzeichnen seit Jahren einen Trend, der das Bad zum Wohnen öffnet. Ist dies ein Trend mit Substanz?
Hadi Teherani: Das Bad ist heute oft mehr Freizeitspaß und Fitness-Insel als die reine Morgentoilette mit einem schnellen Duschbad. Das ist aber individuell verschieden und variiert in der zeitlichen Ausprägung sehr stark. Die Basis dafür ist vor allem der räumliche Anspruch – gar nicht so sehr hinsichtlich der Dimensionierung des Raumes, sondern mit Blick auf dessen Zuschnitt und die Anbindung an die Nachbarräume.

Bild unten: Der durchgängige Stil von Keramik- und Badmöbel-Details der Serie Flow wurde konsequent auf die Komfortwanne übertragen. Mit 180 x 80 cm bietet sie ausreichend Platz für genüsslichen Badekomfort. Durch den Mittelablauf und den angeschrägten Fußbereich kann auch eine zweite Person bequem Platz nehmen.

 
der durchgängige Stil von Keramik- und Badmöbel-Details der Serie Flow kombiniert mit einer Komfortbadewanne
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Wie sieht Ihr privates Bad aus?
Hadi Teherani: Es ist keine luxuriöse Badelandschaft sondern ein anspruchsvoll gestalteter Funktionsraum. Das Grundmotiv des Raumes sind fließende Formen, ähnlich der Wellenbewegung meiner Keramag-Objekte. Die Wandoberflächen sind mit kleinteiligen schwarzen Bisazza Mosaiken belegt. Die passenden Sanitärobjekte von mir gab es damals noch nicht.

Gibt es Lieblingsgegenstände in Ihrem Bad und was würden Sie am liebsten aus Badezimmern generell verbannen?
Hadi Teherani: All diese furchtbar heimeligen und überflüssigen Utensilien, die aus dem engen Funktionsbad mithilfe von Schnörkeln ein Wohnbad machen sollen, aber gerade das am wenigsten können. Der größte Luxus ist immer der Raum, den können aber flauschige Teppiche vor dem WC oder wilde Rosen auf den Handtüchern nachträglich nicht mehr verändern. Mir ist die Dusche als Startrampe in den Tag am wichtigsten.

Zurück zu Ihrer Tätigkeit als Architekt. Das Thema Energiesparen nimmt im Bereich der Architektur einen immer größeren Stellenwert ein. Wie setzen Sie in Ihren Projekten z.B. regenerative Energien ein?
Hadi Teherani: Es kommt wie stets darauf an, komplex zu planen. Die entscheidende Hürde für alle gestalterischen Aufgaben. Sonne, Wind, Erdwärme und Nachtauskühlung müssen als positive natürliche Größen einbezogen, nicht mit technischen Mitteln aufwendig abgewehrt werden. Dieser klimatische Erfahrungsschatz traditioneller Bauweisen muss neu erschlossen werden. Im Verbund mit hochwertigen Gläsern und Dämmstoffen wie auch den notwendigen Speichermassen läßt sich sehr viel erreichen.

Sie sind als Visionär bekannt. Können Sie uns einen kurzen Ausblick auf das Bauen und Wohnen der Zukunft geben?
Hadi Teherani: Der Weg des Wohnens führt zurück zum kulturellen Brennpunkt der Stadt. Mit kurzen Wegen zu allen Alltagszielen, aber aus einem privaten Rückzugsbereich heraus, der erkennbar eher Haus im Haus ist, als Geschosswohnung von der Stange. Kann es etwas Schöneres geben, als ungestört und individuell mitten in der Stadt zu leben? Mit freier Verfügung über seine Zeit und seine Interessen?

Herr Teherani, wir bedanken uns für das Gespräch.

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